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Gesell, Silvio

Johann Silvio Gesell (geb. 17. März 1862 in Sankt Vith (heute Belgien); gest. 11. März 1930 in der Obstbau-Genossenschaft Eden bei Oranienburg) war Kaufmann, Finanztheoretiker, Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre.

Die von durch Silvio Gesell entwickelte Theorie der Freiwirtschaft ist ein Wirtschaftsmodell, das auf der Kritik der Geldverfassung und der Kritik der Grundrente beruht. Freiwirtschaft beinhaltet die drei Komponenten Freiland, Freigeld und Freihandel. Die sich an Gesells Lehren orientierende Freiwirtschaftsbewegung strebt eine stabile und freiheitliche Marktwirtschaft an, in der es keine Monopolrenten durch den Besitz von Geld bzw. Eigentum an Boden oder Handelsrechten gibt. und in der in der Vollbeschäftigung herrscht.

Silvio Gesell hat sich nie selber als Anarchisten verstanden. Allerdings verweist er bei seiner Kritik des Zinses immer wieder auf Proudhon. Und unter den Freiwirtschaftlern, die sich auf seine Lehren berufen, gab es immer wieder Einzelne - wie z.B. Rolf Engert (1889-1962 - , die die Auffassung vertraten, dass Gesells Freiwirtschaftslehre eines ganz spezifischen philosophischen Fundaments bedürfe und dass dieses am kongenialsten bei Max Stirner ausgearbeitet sei. Dabei beriefen sie sich auf einige Erwähnungen Stirners bei Gesell, in denen sie dessen grundsätzliches Einvernehmen mit den Ideen Stirners zu erkennen glaubten.

Aber auch andere nicht-individualanarchistische Anarchisten standen den Ideen Gesells sympathisch gegenüber. So hat zum Beispiel der kommunistische Anarchist Erich Mühsam Silvio Gesell in einem Nachruf wie folgt gewürdigt:

"Gesells Freiland-Lehre ist stark anfechtbar, seine Geldtheorie dagegen scheint berufen, nicht, wie er annahm, das Wirtschaftsregulativ der freiheitlichen Gesellschaft zu werden, wohl aber das Übergangsverfahren vom kapitalistischen Währungssystem zum geldlosen Kommunismus zu ermöglichen. Silvio Gesell war entschiedener Staatsverneiner. (...) Silvio Gesell war ein sozialer Wegbahner von größtem geistigen Wuchs; der Spott der Börsenpraktiker und das Gelächter der Marxisten können seine Bedeutung als Vorkämpfer gerechter und freiheitlicher Gesellschaftsgattung nicht mindern. Die Zeit revolutionärer Verwirklichung wird dem Toten vieles abzubitten haben, was die Zeit dogmatischer Unbelehrbarkeit an dem Lebenden und damit zugleich an sich selbst gesündigt hat. Der Weg der Menschheit zur anständigen Gemeinschaft wird mit mancher Fuhre Erde aus dem Garten Silvio Gesells gestampft sein." (Fanal, 1930, H.7)