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B. Travens Erzählwerk in der Konstellation von Sprachen und Kulturen

B. Travens Erzählwerk in der Konstellation von Sprachen und Kulturen
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ISBN: 9783826030802
GTIN/EAN: 9783826030802
39,80 EUR
inkl. 7 % MwSt. zzgl. Versandkosten


B. Travens Erzählwerk in der Konstellation von Sprachen und Kulturen
Herausgegeben von Günter Dammann

Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann; 2005. Broschur, 352 Seiten. ISBN: 978-3826030802.

Beschreibung:

Die Erforschung des erzählenden Werks von B. Traven (Recherchen zur Biographie stehen hier nicht zur Diskussion) wird seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts im wesentlichen durch vier Linien bestimmt.

  • Erstens haben die philologischen Bemühungen um diesen Autor zweier Hemisphären - Bemühungen, die in den sechziger und auch noch den siebziger Jahren weitgehend nationalliterarisch fixiert waren - sich in dem Sinne internationalisiert, daß die zuständigen Disziplinen und vor allem auch die Wissenschaftler der zuständigen Sprachräume miteinander in Austausch traten. Ein erstes wegweisendes Zeichen setzte die Traven-Konferenz an der Pennsylvania State University 1982, die englisch- und deutschsprachige Kollegen versammelte und deren Vorträge 1987 veröffentlicht wurden; hier war zugleich mit einer gewissen Emphase der Ansatz vertreten worden, Travens Romane aus dem Trivialitätsverdacht herauszuholen und nunmehr in der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts zu verorten.
  • Zweitens ist der Forschung durch die (wenngleich noch selektive) Offnung des Zugangs zum Nachlaß des Autors in Mexiko-Stadt sowie durch die Einrichtung eines Archivs mit Marut-Traven-Material des Zeitraums 1901-1923 an der University of California, Riverside eine entscheidende neue Dimension eröffnet worden. Die Nutzung beider Archive durch vorwiegend amerikanische und deutsche Literaturwissenschaftler hat uns bereits in diesen wenigen Jahren einen beträchtlichen Zuwachs an Erkenntnis gebracht.
  • Es zeichnet sich überdies (das ist eine dritte, durchaus auch durch die bereits genannten beiden Motivlinien beförderte Linie) mittlerweile sehr deutlich ab, daß Travens Œuvre auf eine wohl unvergleichbare Weise in eine Vielzahl von Werkgeschichten zerfällt. Das Einzigartige am Befund für diesen Autor liegt darin, daß die Prozesse der Textgeschichte hier in der Konstellation dreier Sprachen stehen; zugleich haben wir es in etlichen Fällen, da Traven sowohl für das amerikanische Englisch wie für das mexikanische Spanisch auf die Hilfe von Lektoren und Mitarbeitern angewiesen war, mit dem auch in theoretischer Hinsicht reizvollen Fall einer Ersetzung des Autors durch ein Autorkonstrukt zu tun. Untersuchungen des Œuvres im Blick auf diesen diffizilen Komplex liegen erst in Ansätzen vor.
  • Viertens schließlich ist Traven vornehmlich seit den neunziger Jahren in das Blickfeld der neu durchgesetzten interkulturellen und postkolonialen Interpretationstheorien geraten. Damit rückt dieser Schriftsteller, dessen weltanschauliche Position weiterhin im Anarchismus und Syndikalismus verortet werden kann, in den Status eines differenziert umstrittenen und komplex widersprüchlichen Autors.

Unter solchen forschungsgeschichtlichen Vorgaben wurde für den 24. bis 27. September 2003 zur ersten Traven-Konferenz im deutschsprachigen Raum eingeladen. Ein über die skizzierten Vorgaben hinaus verfolgtes Ziel dieser Veranstaltung bestand (hier sollte der Impuls, Traven in der Weltliteratur zu sehen, weitergetragen werden) m der Applikation narratologischer Begrifflichkeiten und Theorien auf das Werk. Eingeladen wurden die bekannten Vertreter der internationalen Traven-Philologie, die sich zuletzt in London (1994) und Stockholm (1999) getroffen hatten und von denen viele zusagen konnten, sowie eine Anzahl meist jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich erstmals diesem Autor zuwenden wollten. Eine freudige Überraschung stellte die Anwesenheit von Maria Eugenia Montes de Oca de Heyman dar, die aus México, D. F. angereist war und aus Briefen ihres Stiefvaters las. Der Ort der Konferenz war die Stadt Eutin im Landkreis Ostholstein, deren Landesbibliothek mit der ihr angegliederten Forschungsstelle zur historischen Reisekultur den auch thematisch passenden Rahmen bot. Daß der Unbekannte, der sich Ret Marut und dann B. Traven nannte, in dieser Region möglicherweise geboren wurde, lag als eine Art Schattenlinie über unserer Veranstaltung.

Hier werden nun die auf der Konferenz gehaltenen Vorträge, teilweise in stärker überarbeiteter Form und ergänzt um zwei weitere Aufsätze, in gedruckter Form vorgelegt. Mit der Lieblosigkeit der Kürze seien sie vorab charakterisiert und situiert.

Eine Arbeit präsentiert bisher unbekanntes Marut-Traven-Material aus dem Nachlaß (F. Nordhausen). Zwei weitere Beiträge stellen Travens Roman Das Totenschiff in intertextuelle bzw. komparatistische Bezüge (E.-U. Pinkert, J. Sacido Romero). Die gegenwärtig in einem verdeckten Konflikt stehenden Wissenschaftsdiskurse der philosophiegeschichtlichen Rekonstruktion von Travens Anarchismus und Kapitalismus-Kritik einerseits und der interkulturellen bzw. postkolonialen kritischen Bewertung von Travens Darstellung Mexikos andererseits bestimmen nicht weniger als sechs Aufsätze (E. Almstadt, W. Dahle, D. Rall, A. Lürbke, St. Hofer, A. Opitz). Es wird nicht verwundern, daß es hier entschiedene Stellungnahmen und konträre, wohl auch nicht vermittelbare Positionen gibt. Nicht ganz so viele Untersuchungen kommen aus der Narratologie (G. Potapova, M. Stein, J. Ch. Meister, G. Dammann), denen als wenigstens angrenzende Studie noch ein Aufsatz mit linguistischer Fragestellung zur Seite gestellt werden darf (J. Dietze). Für das exponierte Problem der Vielzahl von Werkgestalten in Travens Œuvre konnten zwei Beiträger gewonnen werden (A. Corkhill, K. S. Guthke). Schließlich befassen sich insgesamt vier Aufsätze mit sehr unterschiedlichen Fragen der Wirkungsgeschichte Travens (U. Bonter, M. Krivokapic, K. Schulte / H. Zogbaum, R. v. Hanffstengel).

(Aus dem Vorwort)

Vorwort

  • F. Nordhausen: The Lord of Power. Ein Text aus dem mexikanischen Nachlass als Verbindung zwischen Ret Marut und B. Traven
  • J. Dietze: Wortwahl und Gebrauchshäufigkeit bei B. Traven
  • E.-U. Pinkert: Travens Mär vom ‚einfachen Erzählen‘. Zu den intertextuellen Bezügen in dem Roman Das Totenschiff
  • J. S. Romero: B. Traven and Joseph Conrad: Ideological Contrasts
  • E. Almstadt: Über den Stirnerschen Individualanarchismus und dessen Rezeption in Travens Roman Das Totenschiff
  • W. Dahle: B. Traven, Das Totenschiff. Die Destruktion anarchistischer Argumente in der Rezeption
  • D. Rall: Diskursvarianten in Reisebericht, Roman und Übersetzung. Am Beispiel von B. Travens Der Karren und Das Land des Frühlings
  • A. Lürbke: Die indigenen Kulturen Mexikos im Werk von B. Traven
  • S. Hofer: Zwischen Allmachtsphantasie und Ohnmachtsbewußtsein. Der Umgang mit Fremdkulturen bei B. Traven und Hugo Loetscher
  • A. Opitz:Traven im Kontext der Lateinamerika-Literatur der ersten Jahrhunderthälfte. Narratologische Aspekte der Dschungel-Topik
  • G. Potapova: Provokative Textstrategien in B. Travens ‚antireligiösen‘ Erzählungen
  • M. Stein: Die Zivilisation im Busch. Unzuverlässiges Erzählen in B. Travens Novelle Der Banditen-Doktor
  • J. Chr. Meister: Begründungen des ‚Ich‘. Tempusgebrauch, nachgereichte Vorgeschichten und symbolische Vorausdeutungen in Travens Die Brücke im Dschungel
  • G. Dammann: Darstellung des Regelhaften und Erzählung des Einmaligen in B. Travens ‚Caoba‘-Zyklus
  • A. Corkhill: B. Travens Roman Der Schatz der Sierra Madre. Fassungen und Übersetzungen
  • K. S. Guthke: B. Travens Comeback zwischen den Sprachen. Der Macario-Text und seine Abenteuer
  • U. Bonter: Vergessen oder Ein Lebenslauf ohne Werk. Beobachtungen zur Rezeption von B. Traven in Polen
  • M. Krivokapic: Traven in der serbokroatischen Literaturkritik
  • K. Schulte / H. Zogbaum: Under the Spell of Land des Frühlings: B.Traven and Jonny Rieger
  • R. v. Hanffstengel: Die Evolution eines Traven-Forschers: Michael L. Baumann


Personenregister
Register der behandelten Werke B. Travens

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