Kundengruppe: Gast
Willkommen zurück!
Verlage

Feuerstuhl, No. 2

Feuerstuhl, No. 2
Für eine größere Ansicht klicken Sie auf das Vorschaubild
ISBN: 978-3-946685-16-6
EAN: 9783946685166
18,00 EUR
inkl. 7 % MwSt. zzgl. Versandkosten



  • Details
  • Inhalt
  • ... und mehr

Produktbeschreibung

Feuerstuhl, No. 2
Zeitschrift für Brot & Rosen

Herausgegeben von Heribert Becker & Egon Günther

Ostheim/Rhön: Verlag Peter Engstler, 2018, Nr. 2. Broschur, 112 Seiten, zahlr. Abbildungen. ISBN 978-3946685166.

Beschreibung:

"Feuerstuhl" ist eine entschieden antiautoriäre Zeitschrift, ein befeuerndes Scheit Holz, benannt nach einer mexikanischen Geschichte aus dem Roman "Regierung" des geheimnis-vollen B. Traven.

Die Zeitschrift wird in strikt wechselnder Herausgeberschaft fortgeführt werden. Sie bringt Prosaminiaturen, Zeichnungen, Zoten, Skizzen, surrealistische Billets, Fotografien, Palimpseste, Polaroids, Poeme, Aphorismen, Apophtegmata, anarchistische Essays, magische Mantras, nomadische Manifeste, kaleidoskopartige Ein- und Aussichten, territoriale Erkundungen & radikale Abschweifungen und hat sogar gelegentlich einen roten oder schwarzen Faden.
 

Inhalt

Heribert Becker: Vorbemerkung [4]
 
DIE BRENNKAMMER DER REVOLTE
  • Die Pariser Surrealisten und ihre Zusammenarbeit mit den Anarchisten [7]
  • Pariser Surrealisten: Entlarvt die Physiker,leert die Laboratorien [15]
 
DAS WUNDERBARE GEGEN DIE RELIGION
  • Max Ernst: Pollutionsgefahr [19]
  • Georges Sadoul: Der gute Hirte [25]
  • Rene Crevel: Jesus [31]
  • Pariser Surrealistengruppe: Ab in eure Hütte ihr Kläffer Gottes! [35]
  • Paul Garon: Warum ich ein Kruzifix trage [38]
  • Debra Taub: Frauen gegen die Religion  [39]
  • Malcolm de Chazal: Die  Religion... [39]
  • Franklin Rosemont, Penelope Rosemont, Paul Garon: Das Wunderbare gegen die Religion [40]
 
DIE PARISER SURREALISTEN UND DER MAI 1968
  • Heribert Becker: Vorbemerkung [42]
  • Pariser Surrealisten: Keine Pastoren für diese Wut! [48]
  • Texte der Surrealisten zum Mai 68   (L'Archibras No. 4) [49]
  • Pariser und Prager Surrealisten: Die Prager  Plattform [58]
 
SURREALISTISCHE GEDICHTE & 2 INVERSAGEN
  • Achille Chavée: Für Andre Breton & Gerechter Himmel [69]
  • Jacques Lacomblez: Nächtliche Skizzen & Lied [72]
  • Milan Napravnik: Zur Methode der lnversage [75]
  • Jean-Claude Silbermann: Hotel Zum Gesichtslosen & Die Puppe in der Kanone [77]
  • Marcel Marien: Die Handfertige [79]
  • Ludwig Zeller: Um den Geist zu öffnen [80]
  • Herve Delabarre: Eine fromme Geschichte [81]
 
SURREALISTISCH ERZÄHLUNGEN
  • Louis Scutenaire: Leben und Werke von Alfred Jarry und Isidore Ducasse [85]
  • Jose Pierre: Die Rückkehr aus den Ferien & Dreams that money can buy [89]
  • Georges Henein: Bulgarische Vorstadt [92]
  • Rikki Ducornet: Tante Rose und Onkel Friedel [95]
 
FREUNDE DES FEUERSTUHLS
  • Manfred Ach: Ich trug nie Bluejeans [99]
  • Bert Papenfuss: Katzenmusik [100]
  • Ron Kolm: Hoffnung währt ewig [103]
  • Detlef Thiel: Hypnagogo [104]
  • Von A bis Z: die Beiträger [107]

... und mehr

VORBEMERKUNG

Dass man mir die Gelegenheit geboten hat, die 2. Nummer der Zeitschrift Feuerstuhl nach meinem Gusto mit Inhalt zu füllen, ehrt mich. Als großer Sympathisant des Surrealismus und als jemand, der zu diesem Thema bereits eine Menge publiziert hat, habe ich mich dafür entschieden, eine Auswahl von surrealistischen Texten und Bildwerken vorzuschlagen. Fast alle diese Texte erscheinen hier erstmals in deutscher Übersetzung, und es sind in der Hauptsache solche, die exemplarisch die Bemühungen der Surrealisten außerhalb ihrer im engeren Sinne literarischen und bildkünstlerischen Aktivitäten dokumentieren.

Für mich gibt es im 20. Jahrhundert keine künstlerisch-intellektuelle Bewegung, die die gravie-renden Defizite der bürgerlich-kapitalistischen Welt, mehr noch: die Abgründe der abendlän-disch-christlichen Zivilisation insgesamt deutlicher gebrandmarkt und entschiedener bekämpft hat. Die erste Äußerung des Surrealismus datiert bekanntlich aus dem Jahr 1919 (Publikation der Champs magnetiques), das heißt, diese "kleine Fraktion unabhängigen Denkens", wie Andre Breton sie genannt hat, wird in Kürze hundert Jahre alt. Kann ein so betagtes künstlerisch-intellektuelles Phänomen heute noch, im digitalen Zeitalter, von irgendwelchem Interesse sein?

Fakt ist, dass die großen surrealistischen Bildkünstler immer noch in zahllosen Ausstellungen weltweit einem nicht kleiner werdenden Publikum präsentiert werden, und Tatsache ist ferner, dass in einer ganzen Reihe von Ländern bis heute organisierte surrealistische Gruppen existieren, die bemüht sind, die 1924 mit der Gründung der Pariser Surrealistengruppe entfachte Flamme des Protests und der Revolte gegen die bestehenden geistig-moralischen, politischen und materiellen Zustände in unserer Welt am Lodern zu halten - zugegebenermaßen öffentlich ungleich weniger wahrgenommen als ihre Vorgänger. (Wer sich einen Überblick über diese Gruppen und Grüppchen verschaffen möchte, sei auf die Website https:// forum.psrabel.com von Peter Schneider-Rabel hingewiesen.)

Protest und Revolte: es ging und geht den Surrealisten nämlich keineswegs nur um Ästhetisches - darauf möchten ihre unzähligen Feinde sie seit jeher nur zu gern reduzieren. Nein, über Kunst und Literatur hinaus forderten diese erklärten Revolutionäre - auch Soz/o/revolutionäre - vehement ein fundamental anderes Denken, eine andere gesellschaftliche Ordnung, eine andere Welt.

Die Reduktion auf das "Schöne" ist weitgehend gelungen, denn das kapitalistische System, das uns mehr denn je beherrscht, verleibt sich Ästhetisches, so widerständig es sein mag, ohne Mühe ein, verdaut es und spuckt es, seiner subversiven Substanz beraubt, als konsumierbare Ware wieder aus. Mit den außerästhetischen Konterattacken der Surrealisten ist das womöglich nicht ganz so leicht, weshalb sie von der System-konformen Kulturindustrie immer wieder totgeschwiegen werden.

Um dem ein klein wenig entgegenzuwirken, habe ich für diese 2. Nummer des Feuerstuhls vor allem Texte ausgewählt, die der "normale" Leser kaum zu Gesicht bekommt. Ein Beispiel unter vielen ist das Pamphlet "Pollutionsgefahr" von Max Ernst, dessen bildnerisches Werk als eines der bedeutendsten des 20. Jahrhunderts anerkannt wird, wohingegen dieser glühend antichristliche Text meines Wissens bislang noch nie vollständig auf Deutsch erschienen ist.

Heribert Becker

P.S. Die Auswahl der Texte und Abbildungen sowie alle Übersetzungen aus dem Französischen besorgte der Verfasser dieser Vorbemerkung.