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Kramer
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Vom Goldenen Hahn zum Heiligen Berg Athos

Vom Goldenen Hahn zum Heiligen Berg Athos
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Art.Nr.: 9783879563623
ISBN/EAN: 9783879563623
Verlag: Kramer
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Produktbeschreibung

Vom Goldenen Hahn zum Heiligen Berg Athos
Bild- und Textwanderungen

Von Bernd Kramer. Herausgegeben von Erik Steffen.

Berlin: Karin Kramer Verlag, 2012. Broschiert, 153 Seiten mit zahlreichen, tlw. farbigen, Abbildungen. ISBN 978-3879563623

Beschreibung:

Die Wanderung beginnt in Neukölln, dann geht es weiter gen Kreuzberg.

Nach einer Rastpause kurzer Abstecher nach Ost-Berlin (zur DDR-Zeit). Dem Regime unbeschadet entkommen, viel Zeit um Einiges aufzuschreiben. Nach dem Motto: "Aus grauer Städte Mauern ziehn wir hinaus ins Feld" werden das Heimatstädtchen und das Mutter- und Vaterland für einige Zeit verlassen. Es geht nach Griechenland. - Quartier in Kneipen und Klöstern - Begegnungen mit Mönchen und Athos-Einsiedlern. - Nach einer gründlichen Katharsis an Leib und Seele wieder zurück in den erlebnis- und arbeitsreichen Berliner Alltag.

Durch eine plötzliche Eingebung beschließt der Autor, mal kurz Künstler und Erfinder zu werden. / Während dieser ausgesprochen schöpferischen Phase Erinnerungen an die Kind- und Jugendzeit im Bergischen Land, an den 2. Juni 1967 und einiges mehr.

Inhalt

Gelesene Texte in der Literaturraststätte ZUM GOLDENEN HAHN Berlin-Kreuzberg:

  • Als ich für den Staatssicherheitsdienst der DDR eine Rezension verfaßte & Mit der Kommune I in der chinesischen Botschaft Ostberlins
  • Kein Museum - Mit Aischylos, Albert Camus, Arthur Rimbaud, Hermann Broch, Janson Dark auf einer griechischen Insel & Kentaurenkampfgruppe in Betonskeletten
  • Der Heilige Berg Athos in Griechenland und die Macht der Begierde
  • Meine dreidimensionalen Kunstobjekte der ars obskura
  • Zwei noch nicht patentierte Erfindungen

Rezensionen

Bakunin kam nur bis Remscheid

Wenn Verleger zu Autoren werden, dann ist dies nicht das schlechteste, und so wie z.B. der im letzten Jahr – viel zu früh – verstorbene Lutz Schulenburg, oder etwa der fulminante Klaus Bittermann, so eben auch Bernd Kramer. Sicherlich gibt es auch Unterschiede, aber die an Worten geschulten Medienarbeiter, die normalerweise im Verborgenen werkeln, treten eben manchmal auch ins Rampenlicht. Und das ist gut so.

Der Berliner Verleger Bernd Kramer, nebenberuflich Tresenphilosoph, erinnert sich in seinem Buch an die Kindheit, seine Lehre als Schriftsetzer und andere Misslichkeiten in Remscheid. Was liegt also näher, als die Flucht nach West-Berlin anzutreten, jenes damalige El Dorado für alle, denen die Welt zu klein geworden ist, incl. Stasie-Anwerbung beim Besuch in der Hauptstadt der DDR, wo es auch schon mal zu Besäufnissen, mit den nicht ganz koscheren Chinesen usw. Die Reise endet - vorläufig - auf dem Berg Athos in Griechenland, bei den frauenfeindlichen Mönchen, die langsam ihre Klöster, und somit auch ihre wertvollen Buchbestände verkommen lassen.

Bernd Kramer ist kein Mann der Poesie, Kramer kloppt die Worte wie der Schmied die Nägel. Der gelernte Schriftsetzer kennt sich in der Sprache aus. Er ist belesen und kennt Fremdwörter, die ihm die Schule nicht beigebracht hat, und verwendet sie.

Wie schon bei anderen Anarchisten – so z.B. Rio Reiser – ist auch Kramer ein fleißiger Leser der Bibel u.a. religiöser Schriften, als müsse er sich täglich davon überzeugen, dass die Bibel keinen anderen Stellenwert als Karl Mays "Durchs wilde Kurdistan" besitzt. Und trotzdem echauffiert er sich immer wieder aufs Neue, und dies fördert unseren Lesegenuss.

Der lockere Wechsel zwischen intellektuellen Wortspielen und Fäkalsprache, biographischen (eigentlich sind alle Texte hier biographisch), politischen und Texten über Kunst, ist fast übergangslos.

Jugend- und Lehrjahre in Remscheid mit all ihren familiären Komplikationen und den langweiligen Wochenenden, den frühen Berliner Tagen zur Zeit der APO bis hin zu den späten Berliner Tagen in Eckkneipen und den Ausflügen nach Griechenland, spannt Kramer einen weiten Bogen – oder wie es im Untertitel eben heißt: Bild- und Textwanderungen. Das Ganze bewegt sich zwischen Zeitzeugenaussagen und persönlichen Erinnerungen, zwischen provinzieller langerweile, großstädtischem Aktionismus und klösterlichen Pilgerfahrten eines Atheisten – und immer ein Witz dazwischen.

Ein derber Lesespaß, mit der Betonung auf Spaß.

Aus: Knobi, der Buchnomade. Buchrezensionen, Hinweise, Kommentare, 20.01.2014