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Quer denken, gerade leben

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Art.Nr.: 9783921404010
ISBN/EAN: 9783921404010
Verlag: verlag barrikade
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Produktbeschreibung

Quer denken, gerade leben.
Erinnerungen an mein Leben und an Luis Andrés Edo

Von Doris Ensinger

Hamburg: verlag barrikade, 2015. Broschur, 420 Seiten. ISBN 978-3921404010.

Beschreibung:

Die Memoiren der libertären Übersetzerin Doris Ensinger angefangen von ihrer Kindheit und Jugend in Deutschland bis hin zu ihrem Leben in Barcelona, wo sie die letzten drei Jahrzehnte lebte. Dieser Teil ihrer Memoiren beschäftigt sich speziell mit der Zeit, die sie an der Seite des bekannten Anarchisten und anarchosyndikalistischen Aktivisten der CNT, Luis Andrés Edo, bis zu seinem Tod im Jahre 2009 verbrachte.

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Aus dem Vorwort:

Ich gehöre nicht zu jenen heroischen Frauen, die im Kampf gegen das Tyrannentum und für eine gerechtere und humanere Gesellschaft unbeirrbar ihr Ziel verfolgten und dabei auch ihr Leben aufs Spiel setzten; oder zu den Frauen, die durch ihr Leben und ihr Werk in die Geschichte eingegangen sind, wie zum Beispiel Emma Goldman, eine Vordenkerin des Anarchismus, die unermüdlich für Freiheit und Gerechtigkeit eintrat und niemals Mühen scheute, um verhaftete Genossen aus den Fängen der Justiz (in den Vereinigten Staaten, dem gelobten Land der Freiheit) oder aus den Kerkern der Tscheka im nachrevolutionären Russland zu befreien; oder wie Clara Thalmann, eine Frau, die nach dem faschistischen Putsch der Generäle am 18. Juli 1936 nicht einen Moment zögerte und als Milizionärin an die Front ging, um die Freiheit zu verteidigen; oder wie so viele Künstlerinnen und Schriftstellerinnen, die sich gegen die Männerwelt durchsetzen mussten, bevor ihre Werke anerkannt wurden. Ich habe mein Leben auch nicht, wie zum Beispiel Beate Klarsfeld, dem Auffinden von Naziverbrechern gewidmet, wiewohl das aus meinen geschichtlichen Erkenntnissen heraus konsequent gewesen wäre. Vielleicht hätte ich mir im Sport einen Namen machen können, allerdings war ich nicht vom Ehrgeiz getrieben und beschloss so nach einigen Erfolgen, die auch in der Zeitung Erwähnung fanden, schon mit sechzehn Jahren meine Karriere zu beenden. Das Vorbild so vieler couragierter Frauen spornte mich jedoch an, auf meine Weise etwas im Kampf für eine bessere Welt beizutragen.

Das Besondere an meinem Leben ist, dass ich eines Tages einen Mann kennen lernte, dessen Name zu jener Zeit durch seinen aktiven Kampf gegen das Franco-Regime auch schon außerhalb Spaniens bekannt war. In diesen Mann, Luis Andrés Edo, verliebte ich mich schließlich, und mir wurde das unbeschreibliche Glück zuteil, dreißig Jahre lang an seiner Seite verbringen zu dürfen, die die schönsten und beglückendsten Jahre meines Lebens waren.

Allerdings wäre dieses Buch niemals geschrieben worden, wenn es nicht einige Personen gegeben hätte, die mich dazu anregten. Zuallererst verdanke ich dieses Werk natürlich Luis Andrés Edo selbst, der Teil meines Lebens wurde und dem deshalb ein Großteil des Buchs gewidmet ist. Zweitens sind es einige Freunde, die mich im Sommer 2009 ermunterten, ein Buch über meine "internationalen Abenteuer" zu schreiben. (...)

Mit dem vorliegenden Buch möchte ich auch zur Wiedererlangung des kollektiven Gedächtnisses und gegen die derzeit vorherrschende Geschichtslosigkeit in der spanischen (und vielleicht auch deutschen) Gesellschaft beitragen, in der die Anarchisten systematisch verschwiegen werden. Was die geschichtlichen Ereignisse anbelangt, so vergleiche ich zudem einige Geschehnisse, die in den beiden Ländern ähnlich waren, allerdings erfolgte die Auseinandersetzung mit ihnen auf verschiedene Weise, und folglich gab es unterschiedliche Lösungen und Konsequenzen.

Auf meinem langen Weg und bei meinen "Abenteuern" haben mich viele Freunde und Compañeros begleitet, und wenn sie nicht alle namentlich in diesem Buch auftauchen, so vielleicht deshalb, weil sie für die Absicht dieses Textes, das heißt meine Geschichte mit Luis, keine besondere Bedeutung hatten, womit ich keinesfalls sagen möchte, dass sie sie nicht für mich persönlich gehabt hätten. Zu diesen Personen gehören einige meiner Münchner wie auch Barceloneser Freunde, die mich ermutigten, mein Projekt zu realisieren, und die in langen Gesprächen und Diskussionen mein Gedächtnis über jene bewegten siebziger Jahre und die vielen Jahre danach auffrischten und mir Einzelheiten in Erinnerung riefen, die ich vergessen hatte. (...)

Im ersten Teil des Buches erzähle ich also die ersten dreißig Jahre meines Lebens, die bis auf ein paar Aufenthalte in Spanien in Deutschland verliefen. Ich erläutere meine Wurzeln, beschreibe die Familie, in der ich aufwuchs, und einige Erlebnisse, die mich für immer prägten. Ich schildere, wie sich meine Schulbildung vollzog und wie ich durch die Studentenrevolte politisiert wurde und an den Kämpfen und Projekten der siebziger Jahre teilnahm, mit denen wir eine wirklich demokratische, freiere und gerechtere Gesellschaft erreichen wollten. Kurzum, ich versuche den Weg aufzuzeigen, der mich zu den anarchistisch-libertären Ideen und so eines Tages zu einem Mann namens Luis Andrés Edo führte.

Der zweite Teil spiegelt die folgenden dreißig Jahre meines Lebens wider, die ich in Barcelona an der Seite von Luis verbrachte: die ersten Jahre, die voller Wirrnisse, Schwierigkeiten und auch Kümmernisse waren, bis wir schließlich zueinanderfanden; wie ich diesen Mann als Person, als Menschen und Aktivisten sah, der sich aus voller Überzeugung und mit ganzem Herzen seiner Organisation und seinen Mitstreitern widmete, was mit einem Blick auf die CNT in den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verbunden ist; und ich erzähle auch von einigen gemeinsamen Abenteuern. (...)

Das Schreiben dieses Buches stellte für mich das Abenteuer der Suche nach meinem gelebten Leben dar, die allmählich zu einer Erkundung meiner selbst und einem Finden meiner selbst wurde. So konnte ich den zurückgelegten Weg besser verstehen. Und es hat mir dabei geholfen, ein wenig mehr den Schmerz über Luis' Tod sowie die enorme Leere zu überwinden, die seine Abwesenheit - der größte, noch nicht bewältigte Verlust meines Lebens - in mir verursacht hat.

Doris Ensinger
Heilbronn, 2009 - Barcelona 2015

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