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B. Traven - Porträt eines berühmten Unbekannten

B. Traven - Porträt eines berühmten Unbekannten
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ISBN: 9783939080510
EAN: 9783939080510
24,95 EUR
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Produktbeschreibung

B. Traven - Porträt eines berühmten Unbekannten
Von Golo (d.i.Guy Nadeau)

Berlin: Avant-Verlag, 2011. Hardcover, farbig, 139 Seiten. ISBN: 978-3939080510

Beschreibung:

Eine der schillerndsten Figuren der deutschen Literaturgeschichte ist wohl der Autor B. Traven.

Seine Romane erreichten eine Gesamtauflage von über 30 Millionen Exemplaren in mehr als 24 Sprachen. Die meisten wurden verfilmt, darunter "Das Totenschiff", "Die Brücke im Dschungel" und "Der Schatz der Sierra Madre". Aber wer verbarg sich hinter dem Pseudonym B. Traven? Ein unehelicher Sohn des deutschen Kaisers?

"Mein Lebenslauf ist meine Privatangelegenheit, die ich für mich behalten möchte", ließ der Schriftsteller 1926 verlauten. Unter dem Namen Traven Torsvan erwarb er 1930 die mexikanische Staatsbürgerschaft, für geschäftliche Termine schlüpfte er in die Rolle seines angeblichen Bevollmächtigten Hal Croves. Sein Spiel mit Identitäten beschäftigt jahrzehntelang Journalisten, Gelehrte und ein unübersehbares Publikum in aller Welt. Durch ein umfangreiches System von Deckadressen und Postschließfächern entzog er sich der Offentlichkeit. Nachdem er Deutschland verließ fand er in Mexiko eine neue Heimat und lebte mit der indigenen Bevölkerung deren Probleme er auch in seinen Büchern ("Marsch auf Caoba") thematisierte.

Bei Travens Tod im Jahr 1969 galt nur als sicher, dass er mit dem nicht minder geheimnisvollen Schauspieler, Publizisten und Funktionär der Münchner Räterepublik Ret Marut identisch war, dessen Spur sich 1919 mit seiner Flucht aus Bayern verlor. Doch auch dieser Name war nur ein Pseudonym, das nicht gelüftet werden konnte.

Er war Schauspieler, Regisseur, Anarchist, Anhänger der Münchner Räterepublik, Zuchthäusler, Matrose und Schriftsteller im Exil, aber eben auch gefeierter Drehbuchautor in Diensten Hollywoods.

Aber wer war dieser B. Traven nun wirklich?

Der französische Comic-Autor Golo macht sich auf die spannende Spurensuche in seiner beeindruckenden Graphic Novel über diesen berühmten Unbekannten.

Rezensionen

Das literarische Rätsel

"Golo, so nennt sich der französische Comicautor Guy Nadeau, 1948 in Bayonne geboren, der seit vielen Jahren in der Nähe von Kairo lebt und dort für die „Cairo Times“ arbeitet. In den 1970ern zeichnete er für namhafte französische Magazine und publizierte knapp 20 Alben, so den 2007 in Frankreich und nun auf Deutsch erschienenen weltweit ersten Comic-Band zum Leben von Traven.

B. Traven, so (unter anderem) nannte sich der in viele Sprachen übersetzte deutsche Star-Autor der Büchergilde Gutenberg, welcher zu Recht als das größte literarische Geheimnis des 20. Jahrhunderts bezeichnet worden ist. Unter dem Namen Ret Marut war er vor seiner Flucht nach Mexiko in Deutschland als Schauspieler, Autor und Herausgeber der anarchistischen Antikriegs-Zeitschrift „Der Ziegelbrenner“ in Bayern tätig. Wegen seiner Beteiligung an der Münchner Räterepublik wurde er als „Hochverräter“ zum Tode durch Erschießen verurteilt, konnte seinen Wächtern aber noch entkommen.

Golo zeichnet chronologisch Episoden dieses abenteuerlichen Lebens nach - die Zeit in Europa bis zur Weimarer Republik fast durchgehend in Schwarzweiß, sein späteres Leben in Mexiko dann in Farbe, durchsetzt von ganzseitigen historischen Wimmelbildern, um die Weltereignisse zu verbinden.

Um historische Genauigkeit bemüht, ist der liebevoll und handwerklich sicher gestaltete Band im Stil schlicht gehalten und gerade dadurch - auch farblich - einfach schön. Fast altmodisch kommt dieser Band zunächst daher, durchaus passend am Comicstil der 30er und 40er Jahre orientiert, aussagekräftig, simpel, und dennoch mit gekonntem Spannungsaufbau gezeichnet. Anklänge finden sich vielerlei; manchmal scheint George Grosz hindurchzuschimmern. Oft erinnert Golos Stil auch an die großartigen Zeichnungen eines Walter Trier, der Erich Kästners „Emil und die Detektive“ illustrierte, oder an den belgischen Tim-und-Struppi-Zeichner Hergé.

Golo stieß nach eigenem Bekunden durch ein Buchgeschenk schon als Kind auf B. Travens Roman „Das Totenschiff“. Fasziniert durch das Thema der Ausbeutung, bald auch politisiert, las er alles, was er von ihm erlangen konnte und kam vom Thema der indigenen Bevölkerung in Mexiko nicht mehr los. Angeregt durch die Forschungen des verstorbenen Leipziger Traven-Forschers Rolf Recknagel zur Identität Ret Maruts/B. Travens, nahm er ausführlich auch das Frühwerk von Ret Marut ins Visier.

So ist es ihm nun gelungen, ein lebendiges Bild von Travens Leben in Mexiko erstaunlich werkgetreu in groben Zügen zusammenzusetzen, ohne seine Spuren im vorrevolutionären Deutschland der Jahrhundertwende zu negieren."

Der Tagesspiegel, 7.1.2012.