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Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten
Von Rudolf Rocker, Einleitung von Augustin Souchy, Nachwort von Diego Abad Santillán.
Hrsg. von Magdalena Melnikow und Hans Peter Duerr.
Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag, 1974 (edition suhrkamp; 711). Paperback, 401 Seiten. ISBN 978-3518007112. Gebraucht: Sehr gut erhaltenes Exemplar, offensichtlich ungelesen. Papier altersbedingt nachgedunkelt.
Beschreibung:
Teilveröffentlichung der [als masch. Mskr. im IISG archivierten dreibändigen] Autobiographie des 1873 in Mainz geborenen deutschen Anarchisten und später führenden Theoretikers des internationalen Anarcho-Syndikalismus. Das Buch gibt einen guten Einblick in die Geschichte der internationalen anarchistischen Bewegung von den 1880er Jahren bis zum Ende der 1930er.
Sein Freund und Genosse, Augustin Souchy, würdigt Leben und Werk von Rudolf Rocker wie folgt:
"Rudolf Rocker war einer der ersten, der darauf hingewiesen hat, daß der Menschheit vom östlichen Totalitarismus eine größere Gefahr droht als vom westlichen Kapitalismus. Er hat eingesehen, daß es in der aus den Fugen geratenen Welt kein einseitiges Rechts und klares Links mehr in der Politik gibt. Wenn die amerikanischen Kapitalisten die Beseitigung von Geheimpakten fordern, die von den revolutionären Bolschewisten verteidigt werden, dann sind offenbar die Revolutionäre von gestern zu den Reaktionären von heute geworden. Ich habe bei meinen Gesprächen mit Rudolf Rocker festgestellt, daß er sich bei den entscheidenden Fragen, die die Menschheit heute in zwei große Heereslager teilen, nicht in einen Elfenbeinturm zurückzieht. Er hat die Ausbeutung unter dem System des Privatkapitalismus sechzig Jahre lang bekämpft und ist weit davon entfernt, sie heute gutzuheißen. Er sieht mit Bedauern, daß auch im Westen und besondern in Amerika die Freiheit eingekreist wird und die militärischen Belange mehr und mehr in den Vordergrund treten. Doch er ist alt genug, um sich vor seichten Urteilen zu hüten. Ihm sind die Ursachen dieser Zustände bekannt und er weiß, daß allem zum Trotz Freiheit und Menschenwürde im Westen immer noch ihre Zufluchtstätte haben, während die Gralshüter der sozialen Revolution im Osten alle Revolutionsprinzipien und sozialistischen Postulate mit Füßen treten. Deshalb hat sich Rudolf Rocker entschieden.
Das lange Leben Rockers war reich an unermüdlichen Kämpfen und großen Erlebnissen. Er kannte Konzentrationslager und Schutzhaft. Er war als Goy einer der Gründer der jüdischen Arbeiterbewegung. Er hat in der deutschen Arbeiterbewegung während der Weimarer Republik aktiven Anteil genommen. Er hat durch seine Schriften auf die freiheitliche Bewegung vieler Länder großen Einfluß ausgeübt. Daneben hat er als Geschichtsforscher der Arbeiterbewegung und als Sozialphilosoph Großes geleistet."
Inhalt
- Vorwort der Herausgeber
- Augustin Souchy: Einleitung
Teil I: Der alte Volck und die Abneigung gegen das Preußentum
- Kurzer Versuch als Schiffsjunge
- Die großen Alten der Sozialdemokratie
- Die Bewegung der "Jungen" in Berlin
- Die tieferen Ursachen des großen Niederganges
- Der Soziahistenkongreß in Brüssel
- Die Heimreise nach Mainz
- Der Parteitag in Erfurt und seine Folgen
- Carl Oberhuber und Jean Heffner
- "Communist", "Einbrecher" und "Revolutionär"
- Meine Flucht aus Deutschland
- Paris
- Kampffmeyer und Cohen
- Der Fall Ravachol
- Die anarchistische Bewegung in Frankreich
- Die Bombe im Parlament
- Die Extreme berühren einander
- Das Attentat von Lyon
Teil 2: Die deutsche Bewegung in London
- Louise Michel, Errico Malatesta, Pietro Gori
- Stätten des Londoner Elends
- Der Internationale Sozialistenkongreß in London
- Miguel Angiolillo
- Flitterwochen mit Hindernissen
- Der Pionier Aaron Liberman und die Anfänge des jüdischen Sozialismus
- Jüdische Revolutionäre in England
- Der große Aufschwung der Bewegung in London
- Der Kampf gegen das Sweatingsystem
- Matutschenko
- Die Gründung der Anarchistischen Internationale
- Die Hinrichtung Francisco Ferrers
- Der große Streik
- Meine Verhaftung und das Konzentrationslager
- "Olympia"
- Fluchtpläne
Teiil 3: Die Anfänge des deutschen Syndikalismus
- Eine Rede vor Berliner Studenten
- Ein Vortrag in Mülheim an der Ruhr
- Die anarchosyndikalistische Bewegung in Deutschland
- Zur Vorgeschichte der Syndikalistischen Internationale
- Die Internationale Arbeiter-Assoziation
- Russische Emigranten in Berlin
- Diego Abad de Santillán und Buenaventura Durruti
- Die Fabrikbesetzungen der italienischen Arbeiter
- Erich Mühsam und die Berliner Anarchisten
- Augustin Souchy
- Abschied von Deutschland
- Der Spanische Bürgerkrieg
- Schluss
Anhang:
- Nachwort von Diego Abad de Santillán
- Zeittafel
- Personenregister