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Vom Trottelbuch zum Torpedokäfer
Franz Jung in der Literaturkritik 1912-1963
Herausgegeben von Walter Fähnders und Andreas Hansen
Bielefeld: Aisthesis-Verlag, 2003. 540 Seiten, zahlr. Abb.. gebunden ISBN 978-3895282874
Beschreibung:
Der Schriftsteller, Revolutionär und Widerstandskämpfer Franz Jung (1888-1963) war zeitweilig im literarischen Bewußtsein kaum noch präsent. Zunehmend aber stößt sein Werk wieder auf Interesse – reicht sein Œuvre doch von expressionistischer Prosa, Dada, proletarischem Roman und politischem Theater bis zu psychologischen Studien, Essays und einer vielbeachteten Autobiographie.
Wie intensiv schon die Zeitgenossen Jungs Werke aufgenommen haben, belegen die in diesem Band gesammelten über 300 Rezensionen seiner Bücher und Theaterstücke – vom spektakulären Erstling, dem „Trottelbuch“ von 1912, bis zu seinem letzten großen Werk, dem „Torpedokäfer“ von 1961.
Erschienen sind die Kritiken in Zeitungen und Zeitschriften der 10er, 20er, 30er und 60er Jahre. Das Spektrum reicht vom „Berliner Börsen-Courier“ bis zur „Roten Fahne“ und der „Frankfurter Zeitung“, von „Spiegel“ und „Konkret“ bis zu FR und FAZ. Autorinnen und Autoren sind Julius Bab, Sylvia von Harden, Raoul Hausmann, Max Herrmann-Neisse, Oskar Loerke, Robert Musil, Karl Otten, Kurt Pinthus, Hans Sahl, Paul Zech u.v.a.
Den Herausgebern ist es nach langjährigen Recherchen gelungen, eine vollständige Dokumentation zu erstellen, die nicht nur die Bedeutung des Werkes von Franz Jung in seiner Zeit belegt, sondern zugleich einen Einblick in die Literaturkritik im 20. Jahrhundert vermittelt.
Rezensionen
Das Spektrum der Presse ist politisch breit, die Urteile über Franz Jungs Schaffen reichen von verzückter Begeisterung bis hin zu gehässiger Ablehnung. Die mal knappen, mal ausufernd ausführlichen 300 Rezensionen, Buchankündigungen, Verlagsanzeigen, Klappentexte und Nekrologe belegen die Beachtung Jungs über einen Zeitraum von immerhin 50 Jahren hinweg – und wie zumeist ist auch diese Anthologie zugleich ein (sprunghafter) Spiegel deutscher Geschichte. Der Band ist hervorragend ediert, mit Abbildungen der Erstausgaben Jungs, Register und peniblen bibliographischen Nachweisen versehen; vor allem aber verdient die Methode noch einmal besonders hervorgehoben und zur Nachahmung empfohlen zu werden. Ein gewiß mitunter sperriges, aber entdeckenswertes Werk wie jenes von Franz Jung auf dem Wege des gesammelten Wiederabdrucks der zeitgenössischen Kritik zu popularisieren ist eine pfiffige Idee. Für Leser der KK ist der Band durch die Präsenz schlesischer Autoren (H. Chr. Kaergel, K. Schodrok, A. Hayduk, Fr. Kaminsky, A. Lubos) von besonderem Gewinn.
Martin Hollender in „Kulturpolitische Korrespondenz“ (30.3.2004)
Die hier vorgelegten Rezeptionsdokumente könnten in der Tat nicht nur die eingeforderte Jung-Lektüre befördern. Sie sind selbst aufschlussreiche literahistorische Zeugnisse für die Literaturkritik der 10er und 20er Jahre sowie für die bundesrepublikanische Szene um 1960. Bleibt zu hoffen, dass dieser auch durch Personen-, Verlags-, Zeitungs- und Werkregister gut erschlossene Band der Jung- wie der Rezeptionsforschung Impulse geben möge. Material über den Expressionismus, die proletarisch-revolutionäre Literatur, über das Theater der Weimarer Republik und über die frühen 60er Jahre gibt es hier genug.
Andres Erb in „Zeitschrift für Germanistik“ (Neue Folge 3/2004)
[...] Walter Fähnders und Andreas Hansen haben [den] Lebens- und Werkweg [Jungs] nach jahrelangen Recherchen nachgezeichnet und akribisch eine vollständige Dokumentation erstellt, die nicht nur Bedeutung und Tragweite von Jungs Werk in seiner Zeit zeigt, sondern auch einen tiefen Einblick in die Literaturkritik des 20. Jahrhunderts vermittelt. Franz Jungs Werk wird mit diesem Band verständlicher und zugänglicher.
Hugo Velarde in: IWK 3/2005